Patrick Dinger
Bibliotheken sind Zentren der Erzeugung und Vernetzung kuratierter Information und Orte demokratischer Meinungsbildung. Sinnbildlich stehen sie für die Verbreitung von qualitativ hochwertigen Daten, die beispielsweise eine Kontextualisierung historischer Ereignisse oder die Einordnung von Kulturerbeobjekten erlaubt. Durch den Einsatz von KI z.B. im Erschließungs- und Kuratierungsprozess besteht die Herausforderung, dass statt fachlicher Auswahl auf Masse und automatisch erzeugte, schwer prüfbare Information gesetzt wird. Als wissenschaftliche Einrichtungen müssen sich Bibliotheken daher einerseits auf die maschinelle Verarbeitung durch evaluierte KI-Anwendungen verlassen, andererseits können sie sich selbst aktiv in den Diskurs um Transparenz in der Dokumentation und Bereitstellung von Informationen und Daten einbringen.
Die Antwort auf die Herausforderungen durch >KI< kann daher nicht die Abkehr von der technischen Weiterentwicklung selbst sein. Vielmehr braucht es Informationskompetenz, Mechanismen zur Verifizierung von Wissen sowie ein Weiterdenken von Infrastruktur und Dokumentation. Ein erster Schritt könnte sein, die abrufbaren Daten besser zu versionieren und langfristig vorzuhalten. Auch sollten Zeitpunkt der Erstellung oder verwendete LLMs in den Daten für die spätere Einordung dokumentiert werden, da sie für eine mündige Auseinandersetzung mit der Information unerlässlich sind. Nur durch Transparenz und Informationskompetenz im Umgang mit Stereotypen und Biases in LLMs und Daten bleiben Bibliotheken verlässliche Partner*innen und Orte der demokratischen Meinungsbildung.

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