Susanne Brandt
Die aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten erwecken den Eindruck, dass sich die Gräben zwischen verschiedenen Gruppen vertiefen. Welche Ansätze sind notwendig, um eine resiliente Demokratie zu erhalten? Haben auch leise Stimmen eine Chance? Oder geht es darum, sich mit Lautstärke und maximaler Aufmerksamkeit zu überbieten?
Fragen wie diese sind nicht nur bei der Gestaltung einer lebendigen Begegnungs- und Kommunikationskultur im Bibliotheksalltag relevant, sondern beschäftigen ebenso andere Akteure.
Abgeleitet von einer spannenden Analyse von www.moreincommon.de lassen sich für die Praxis dazu folgende Fragen stellen:
- Verstehen wir die, die wir erreichen möchten, wirklich und können wir daraus eine Gesprächsbasis entwickeln?
- Sind wir in der Lage, bildhaft, verständlich, ehrlich und ermutigend zu sprechen, positive Geschichten und Inhalte zu vermitteln?
- Nutzen wir Allianzen vor Ort, d.h. beziehen wir örtliche Gruppen wie Sportverein, Feuerwehr u.a. bei passenden Vorhaben mit ein?
- Ist uns bewusst, dass Vertrauen in die Menschen ein starker gemeinsamer Wunsch bleibt – und können wir Vertrauen unterstützen?
- Sind wir gut im Zuhören oder eher vom Sendungsbewusstsein getrieben?
- Können wir dazu beitragen, dass aus Gemeinwesenarbeit wieder Hoffnung geschöpft wird?
Konkret weitergedacht für die Alltagspraxis heißt das: Wir können…
- Ruhe und Besonnenheit in die (digitale) Dauer-Erregung bringen, also z.B. mehr Zeit, Raum und Inspiration schenken für Kreativität und Ideen (hier z.B.: Stricken & Schnacken, Lesegruppen, Community Music, Spiele-Treffs – also vielfältige Gelegenheiten für beiläufige Gespräche und geteilte Interessen)
- Erfahrungen mit Ambivalenzen, Dilemmata, Perspektivwechsel stärken, auch mal ein „Ich weiß nicht“ so stehen lassen bzw. mit Irrtum und Konflikten offen und fair umgehen
- Selbstwirksamkeit fördern durch Anregungen zum lebenslangen Lernen
- Wahrnehmung und Respekt füreinander bereits bei Angeboten für Kita-Kinder deutlich spürbar werden lassen (Kindern zuhören, individuelle Interessen berücksichtigen, kreative Freiräume erweitern)

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